Seit Generationen in Frucht verliebt
Warum uns als Familienunternehmen Qualität so wichtig ist.
Der Göbber-Newsletter im Mai
Mit unserem Newsletter informieren wir regelmäßig und transparent darüber, was Göbber als Familienunternehmen tut, um hochwertige Konfitüren und Fruchtaufstriche auf die Frühstückstische zu bringen – so, wie die Menschen sie sich wünschen: genussvoll, unverfälscht – und so fruchtig wie möglich. Zudem wir wollen zeigen, wer, die Menschen sind, die sich bei Göbber um Qualität kümmern und woran wir arbeiten, um als Unternehmen noch nachhaltiger zu werden. Wir hoffen, dass die aktuelle Ausgabe wieder einige interessante Aspekte zusammenführt und sich auch in den kommenden Ausgaben erneut Lesenswertes für Sie findet!
Aktuelle Themen
Qualitätsmanagement & Produktentwicklung
Sensorik, Produktionsverfahren, Zutaten – erfolgreiche Innovationen im Supermarktregal erfordern eine intensive Vorarbeit
Innovationsmanagement
Innovation und Qualität – Ein eigenes Team kümmert sich bei Göbber um Trends und die Produkte von morgen / Interview Joachim Stürken
Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
willkommen zur neuen Ausgabe unseres Göbber-Newsletters! Wie gewohnt möchten wir Sie mit spannenden Einblicken in unser Unternehmen versorgen – von neuen Produktentwicklungen über aktuelle Markttrends bis hin zu unserem Engagement für Qualität und Nachhaltigkeit. Denn eines ist klar: Unser Anspruch ist es, Ihnen mit unseren Fruchtaufstrichen nicht nur Genussmomente zu bieten, sondern auch verantwortungsbewusst und zukunftsorientiert zu handeln.
In dieser Ausgabe werfen wir unter anderem einen Blick auf die Innovationskraft, die hinter unseren Produkten steckt. Unsere Leiterin der Produktentwicklung, Franziska Leopold, gibt Ihnen spannende Einblicke in die Herausforderungen und Prozesse, die mit der Entwicklung neuer Rezepturen verbunden sind. Dabei zeigt sich: Ein gutes Produkt erfordert nicht nur Kreativität, sondern auch eine intensive Auseinandersetzung mit Rohstoffen, gesetzlichen Vorgaben und natürlich den Erwartungen unserer Kundinnen und Kunden.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Innovationsstrategie von Göbber. Unser Innovationsmanager Joachim Stürken berichtet darüber, wie wir Trends frühzeitig erkennen, welche Rolle digitale Tools spielen und wie unser Team neue Produktideen umsetzt. Gerade in einer dynamischen Branche wie der Lebensmittelindustrie ist es entscheidend, flexibel zu bleiben und gleichzeitig auf Qualität und Nachhaltigkeit zu setzen.
Ein besonders lesenswerter Beitrag stammt diesmal von Gastautor Hendrik Haase. Er beleuchtet, wie Künstliche Intelligenz unser Essverhalten verändern könnte – von smarten Einkaufsentscheidungen bis hin zu personalisierten Ernährungsempfehlungen. Solche technologischen Entwicklungen werden auch für uns als Unternehmen zunehmend relevant und bieten Chancen für eine noch gezieltere Produktentwicklung.
Natürlich möchten wir Ihnen auch von unseren jüngsten Erfolgen berichten. Unsere neue Marke „wertvoll“ bringt fruchtige Innovationen mit Superfood-Zutaten ins Regal, während unsere GLÜCK Schoko- und Nusscremes im Premiumsegment neue Maßstäbe setzen. Zudem sind wir stolz darauf, mit der Re-Zertifizierung nach dem ZNU-Standard erneut unser Engagement für nachhaltiges Wirtschaften unter Beweis zu stellen.
All diese Entwicklungen finden in einem Marktumfeld statt, das zunehmend herausfordernder wird. Der Klimawandel macht sich längst auch in der Beschaffung unserer Rohstoffe bemerkbar. Wetterextreme, sich verändernde Erntezeiten und sinkende Erträge stellen uns und unsere Lieferanten vor große Herausforderungen. Um weiterhin die beste Qualität zu gewährleisten, setzen wir auf langfristige Partnerschaften, nachhaltige Anbaumethoden und eine enge Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Wir hoffen, dass Sie in dieser Ausgabe wieder viele interessante Impulse mitnehmen können und freuen uns darauf, Sie auch in Zukunft mit spannenden Themen rund um Göbber zu informieren.
Viel Freude beim Lesen!
Ihr Marc Ebbert
Geschäftsführer bei Göbber
Qualitätsmanagement & Produktentwicklung:
Sensorik, Produktionsverfahren, Zutaten – erfolgreiche Innovationen im Supermarktregal erfordern eine intensive Vorarbeit
Franziska Leopold
Leiterin Produktentwicklung
Fast 10 Jahre kreiert Franziska Leopold neue Rezepturen in der Produktentwicklung bei Göbber. Dabei begleitete sie auch die Markteinführung 2017 von Glück. Seit 2018 hat sie die stellvertretende Leitung übernommen. Einen weiteren persönlichen Meilenstein erreichte sie im November 2024. Seitdem ist sie als Leitung Produktentwicklung tätig und arbeitet zusammen mit ihrem 7-köpfigen Team und viel Kreativität und Leidenschaft an neuen Produkten.
Einige Fragen an Franziska Leopold, Leiterin Produktentwicklung.
Von der Idee bis ins Glas – wie lange dauert eine Neuproduktentwicklung?
Bei Rezepturen, bei denen wir auf Erfahrungswerte von unseren Standard-Rezepturen zurückgreifen können, ist die Entwicklung deutlich schneller als bei Produkten, die komplett neue Inhaltsstoffe enthalten oder es abzusehen ist, dass sie uns vor neuen Herausforderungen stellen, wie zum Beispiel unsere neue Wertvoll-Range. Die reine Rezepturentwicklung, die in unserer Produktentwicklung stattfindet, kann daher von ca. 3 Wochen bis hin zu 6 Monaten betragen. Dazu kommen nachgelagert noch Zeiten für Linientests und konzeptionelle Dinge. Mal ganz konkret als Beispiel: Knapp 14 Monate nach Projektstart standen unsere sechs neuen Sorten „Glück mit Leichtigkeit“ im Handel.
Was muss bei der Entwicklung neuer Produkte im Besonderen beachtet werden?
Oberste Regel ist, dass all unsere Produkte den rechtlichen Vorgaben entsprechen. Mit der Abteilung Lebensmittelrecht prüfen wir im Vorfeld die Zutaten, eine mögliche Zutatenliste und die gesamte angedachte Deklaration.
Nicht weniger wichtig ist unser hoher Anspruch an die Qualität unserer Produkte, ohne den preislichen Rahmen aus den Augen zu verlieren. In Zusammenarbeit mit unserem Qualitätsmanagement und der Qualitätssicherung prüfen wir die Haltbarkeit des Produktes und die Produktsicherheit. Zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Einkauf werden eventuelle neue Rohwaren ausgewählt.
Welche Herausforderungen gab es bei der neuen Marke wertvoll?
Bei wertvoll handelt es sich um ein Produkt, welches in dieser Form noch nicht am Markt erhältlich ist. Wir gehen mit der Kombination von Frucht und Saaten einen komplett neuen Weg. Geschmacklich und in der Textur unterscheiden sich die Rezepturen stark von unseren bestehenden Produkten. Der Prozess der Herstellung wurde neu definiert, da unter anderem auch neue Zutaten eingesetzt werden, die eine andere Produktions- und Kochtechnik erfordern.
Wie viele Varianten werden entwickelt, um am Ende ein Produkt zu bekommen?
Das hängt stark von den Vorgaben ab. Wenn die Anforderungen (z.B. bestimmte Zucker- und Fruchtgehalte) bekannt sind, brauchen wir erfahrungsgemäß nur wenige Versuche. Lebensmittelrechtlich sind bei Konfitüren und Marmeladen enge Grenzen gesetzt, daher ist der Spielraum dort relativ gering. Bewegen wir uns aber außerhalb von der Kategorie Konfitüre und die Vorgaben sind wenig eingeschränkt, umso mehr Möglichkeiten für unterschiedliche Rezepturen bieten sich. Meist können wir dann bei Freigabeverkostungen mehrere Varianten präsentieren. Eine davon wird es dann.
Wird die Produktentwicklung heute schon von KI unterstützt, und welche Aufgaben könnte KI in Zukunft übernehmen?
Wir beschäftigen uns intensiv damit, wie KI-Tools uns Unterstützung bieten können. In Zukunft ist etwa eine KI-unterstützte Rezeptur-Software und KI-Sensorik denkbar, die uns bei der sensorischen Beschreibung von Produkten unterstützt.
KI kann dabei helfen, gesundheitsbezogene Trends oder Bedürfnisse zu ermitteln. Zum Bespiel durch Aufnehmen individueller Gesundheitsdaten mit deren Hilfe dann noch gezielter auf einzelne Bedürfnisse eingegangen werden kann.
Auch beim Festlegen der Rohwarenqualität wird uns KI zukünftig stärker unterstützen. Der Vergleich einzelner Qualitäten wird in Zukunft dank KI einfacher sein.
Wo sehen Sie den Konfitürenmarkt in 5 Jahren?
Der Trend geht zu mehr Frucht und weniger Zucker. Vor diesem Hintergrund hat der europäische Gesetzgeber auch die Konfitürenrichtlinie 2024 angepasst.
Produkte mit hohem Fruchtgehalt, wie bei Glück mit 70% erfreuen sich zunehmend großer Beliebtheit. Auch werden Produkte mit einer kurzen Zutatenliste und hauptsächlich natürlichen Komponenten noch weiter in den Vordergrund rücken. Das kommt uns entgegen.
Welche Voraussetzungen muss ein Produktentwickler mitbringen?
Neben fachlichen Voraussetzungen wie eine Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik oder ein Studium der Lebensmitteltechnologie sind vor allem die Leidenschaft für Lebensmittel, Interesse an neuen Produkten und Ideen sowie Kreativität wichtige Zutaten um als Produktentwicklerin oder Produktentwickler seinen Job mit Spaß ausleben zu können. Die nötige Prise unkonventionelles Arbeiten und den Blick stets über den Tellerrand hinaus, sorgen dafür, dass man sein Umfeld anhaltend mit neuen Ideen und Kreationen begeistert.
Innovationsmanagement
Innovation und Qualität – Ein eigenes Team kümmert sich bei Göbber um Trends und die Produkte von morgen
Kurzportrait Joachim Stürken
Mit der innovativen Marke GLÜCK hat Göbber erfolgreich Bewegung ins Regal gebracht – jetzt ist „wertvoll“ dazugekommen. Wie ist die neue Marke entstanden?
Innovation beginnt bei uns immer bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Wir haben den Wunsch nach gesünderer Ernährung – auch beim Frühstück – identifiziert, aber bitte ohne erhobenen Zeigefinger. Wir haben daraufhin unseren Fruchtzubereitungen ein ballaststoffreiches Superfood Upgrade mit Samen und Kernen verliehen. Ganz einfach gesagt: Wir haben aus einem sehr leckeren Produkt ein immer noch sehr leckeres Produkt gemacht, das in besonderem Maße zu einer ausgewogenen Ernährung beiträgt.
Wie lange hat es von der ersten Idee bis zur Auslieferung gedauert und welche Bereiche im Unternehmen waren beteiligt?
Wir haben Verkostungsmuster erstellt und verprobt, Verbraucherinnen und Verbraucher befragt und eine komplett neue Marke entwickelt, die jetzt in den Regalen steht. Das alles hat ca. 18 Monate gedauert. Beteiligt waren fast alle Bereiche des Unternehmens.
Werden die neuen Produkte auf den vorhandenen Produktionsanlagen hergestellt?
Die Produkte von „wertvoll“ werden in der Tat in Eystrup produziert, weil der Herstellungsprozess sich nicht zu sehr von unserem Stammsortiment unterscheidet. Bei den Schoko Nuss Cremes von GLÜCK gehen wir einen anderen Weg. Grundsätzlich ist „time to market“ bei Innovationen für uns ein entscheidender Faktor. Selbstverständlich ohne dabei die für Göbber typische hohe Qualität aus den Augen zu verlieren.
Göbber ist dabei, die Strukturen und Prozesse im Innovationsmanagement innerhalb der Unternehmensgruppe neu auszurichten? Wo liegen dabei die Schwerpunkte?
Innovation ist eine wichtige Säule für Wachstum. Wir wollen durch Innovationen wachsen und wir wollen schneller und effizienter „innovieren“. Wir wollen in der Lage sein, Trends schneller aufzugreifen und neue Produkte innerhalb kürzerer Zeit in den Markt zu bringen. Außerdem werden wir das Innovations-Management künftig ganzheitlicher denken, weil es nicht nur 2 einzelne Fachbereiche betrifft, sondern das ganze Unternehmen. Klares Ziel: Wir wollen unsere internen Potentiale noch besser nutzen.
Wie viele Personen kümmern sich bei Göbber derzeit um das Innovationsmanagement?
Das Kernteam besteht aktuell aus 10 Personen.
Können Mittelständler beim Thema Food-Innovation überhaupt mit den großen Konzernen mithalten?
Der Food-Sektor bleibt beim Thema Innovation ganz allgemein stark und dynamisch. Mittelständler können den Nachteil beim Budget und bei den Kapazitäten durch hohe Flexibilität, schnelle Entscheidungen und oft auch durch mehr Mut ausgleichen. Wenn man genau hinschaut, haben nicht wenige Mittelständler in ihrer Kategorie bei Innovationen die Nase vorn.
Göbber arbeitet bei Innovationen auch mit Netzwerkpartnern zusammen. Wie genau sieht die Zusammenarbeit Food-Plattformen bzw. Food-Netzwerken und Start-Ups aus?
Wir arbeiten u.a. mit dem Food-Harbour Hamburg zusammen und sind Verbandsmitglied bei FoodActive. Das ist der Trägerverein des jüngst geründeten Food Cluster Hamburg. Hinzu kommt der regelmäßige Austausch mit Hochschulen und verschiedenen Rohstofflieferanten. Die Art der Zusammenarbeit reicht dabei von gemeinsamen Workshops zur Ideen-Entwicklung bis zur Erstellung von Prototypen oder der Durchführung von Markttests.
Wie werden relevante Trends im Markt erkannt?
Wir nutzen digitale Plattformen und Software, um Trends zu entdecken und Märkte zu beobachten. Seit kurzem nutzen wir auch spezielle KI-Tools. Aber natürlich ist es immer noch wichtig, Supermärkte und Messen zu besuchen. Auch von der Gastronomie oder auf Food- Festivals kann man viel lernen. Eine große Rolle spielen innovative Food-Konzepte in den sozialen Medien, die ebenfalls zu einer wichtigen Inspirations-Quelle geworden sind.
Beobachten Sie auch die internationalen Märkte in Europa?
Ja, denn viele Food Trends kommen nicht aus Deutschland, sondern z.B. aus den USA, aus Südkorea oder Israel. Auch die skandinavischen Länder oder die Niederlande sind da sehr progressiv.
Welche Ernährungstrends beschäftigen Sie grade ganz konkret?
Vegane bzw. pflanzliche Ernährung bleibt ein Meta-Trend, auch wenn sich einige Kategorien gerade konsolidieren. Damit verbunden ist das Thema Proteine, die wir in immer mehr pflanzlichen Lebensmitteln finden. Eskapismus, also die Suche nach neuen Food Ideen aus fernen Ländern, ist ebenfalls ein wichtiger Trend.
Welche Schlagzahl an Innovationen halten Sie bei Göbber für die kommenden Jahre für realistisch?
Wir sind da durchaus ehrgeizig unterwegs und wollen die Voraussetzungen schaffen, um in absehbarer Zeit zwei Innovationen pro Jahr in die Regale zu bringen.
Gastbeitrag von Hendrik Haase
Neue Ernährungstrends
Über den Autor
Hendrik Haase ist Publizist, Berater und Keynote-Speaker mit dem Schwerpunkt Digitalisierung, Ernährung und Lebensmittelwirtschaft. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Veränderungen der Lebensmittelwelt durch technologische Innovationen wie Künstliche Intelligenz, Blockchain und datengetriebene Geschäftsmodelle. Als leidenschaftlicher Vermittler zwischen Tradition und Innovation setzt er Impulse für Unternehmen, die sich auf die Herausforderungen der digitalen Zukunft vorbereiten wollen.
Die KI-Revolution auf dem Frühstückstisch
Wie smarte Agenten unser Essverhalten verändern
Die Lebensmittelwirtschaft steht an der Schwelle zu einer neuen Ära der Künstlichen Intelligenz, die das Konsumverhalten von Grund auf verändern kann: das Zeitalter der KI-Agenten. Mit der Einführung von Technologien wie dem Operator-Modus von OpenAI, Jarvius von Google oder vergleichbaren Entwicklungen betreten wir eine neue Phase der digitalen Transformation. Diese neuen KI-Agenten sind in der Lage, eigenständig zu recherchieren, Informationen zu verknüpfen und auf Basis des gelernten Nutzerverhaltens Entscheidungen zu treffen. Im Ernährungsbereich könnten sie nicht nur individuelle Ernährungsempfehlungen geben, sondern auch aktiv Einkäufe erledigen und so das Ernährungs- und Einkaufsverhalten nachhaltig beeinflussen.
Was sind KI-Agenten?
KI-Agenten sind Systeme, die über die reine Informationsverarbeitung hinausgehen. Sie haben in den letzten Jahren gelernt Anwendungen, Webseiten und Apps zu bedienen, Bestellungen auslösen und kontextbezogene Entscheidungen zu treffen. In den USA ist bereits zu beobachten, wie Verbraucher diese Technologie für die Rezeptrecherche und den Einkauf von Lebensmitteln nutzen. Die Algorithmen lernen, welche Zutaten bevorzugt werden, analysieren Einkaufsgewohnheiten und schlagen Rezepte auf Basis von Gesundheitszielen, Nachhaltigkeitskriterien oder persönlichen Vorlieben vor.
Ein Beispiel: Ein Nutzer plant einen Brunch am Wochenende mit mehreren Freunden. Der KI-Agent recherchiert verschiedene Frühstücksideen, schlägt Rezepte für Honig-Pancakes, Fruchtaufstrich-Croissants und gesunde Bowls vor. Anschließend stellt er die Einkaufsliste zusammen und bestellt die benötigten Zutaten – Eier, Mehl, Honig, Fruchtaufstriche und frische Zutaten – direkt bei verschiedenen Online-Händlern. Mit jeder neuen Interaktion wird der Algorithmus besser und kann im Laufe der Zeit nicht nur die Vorlieben, sondern auch Preisentwicklungen, Nachhaltigkeitszertifikate oder aktuelle Trends berücksichtigen.
Auswirkungen auf das Ernährungsverhalten
Diese Entwicklung wird das Ernährungsverhalten auf mehreren Ebenen beeinflussen:
Personalisierung der Ernährung: KI-Agenten können individuelle Ernährungsvorschläge machen, die auf Gesundheitsdaten, Geschmacksvorlieben und aktuellen Ernährungstrends basieren. Die Ernährung wird so zunehmend datengetrieben und maßgeschneidert.
Automatisierter Einkauf: Die aufwändige Produktsuche in den endlosen Regalreihen des Supermarkts könnte für viele Kunden der Vergangenheit angehören. Die KI übernimmt die Produktauswahl, vergleicht Preise, überprüft Verfügbarkeiten und optimiert den Einkauf hinsichtlich Qualität, Preis und Nachhaltigkeit.
Nachhaltigkeits- und gesundheitlich orientiertes Konsumverhalten: Durch die Integration von Nachhaltigkeitsdaten und Gesundheitsdaten in Echtzeit in die Entscheidungsprozesse könnten KI-Agenten Produkte mit einer besseren CO₂-Bilanz bevorzugen oder regionale Erzeugnisse vorschlagen aber auch aktuelle Gesundheitszustände oder Fitnessziele beim Einkauf im Blick haben.
Verändertes Einkaufsverhalten: Wenn Einkaufsentscheidungen zunehmend von KI-Systemen getroffen werden, könnte die klassische Markenloyalität an Bedeutung verlieren. Empfehlungen basieren nicht mehr auf klassischen Marketingkampagnen, sondern auf (vermeindlich) objektiveren Kriterien der KI die konkrete Inhaltsstoffe, Kundenbewertungen und Nachhaltigkeitsdaten im Blick hat.
Diese Veränderungen betreffen nicht nur einzelne Unternehmen, sondern den gesamten Lebensmitteleinzelhandel und -marken, die sich auf die neuen Anforderungen dieser technologiegestützten Konsumwelt einstellen müssen.
Herausforderungen für Marken und den Handel
Während diese Entwicklung in den USA bereits an Dynamik gewinnt, ist auch die deutsche Lebensmittelwirtschaft gefordert, sich strategisch auf diese Veränderungen einzustellen. Die Herausforderungen sind vielfältig:
Datenverfügbarkeit und -qualität: Um KI-Agenten effektiv einzusetzen, werden strukturierte und zugängliche Daten benötigt. Von der Urproduktion bis zur Verarbeitung müssen relevante Informationen zu Produktbeschreibungen, Inhaltsstoffen und Nachhaltigkeitsaspekten digital verfügbar werden.
Schnittstellen und Integration: Der Online-Handel wird zunehmend durch KI-Agenten beeinflusst. Die Digitalisierung der Vertriebskanäle und die Schaffung von Schnittstellen, die von den KI-Agenten angesteuert werden können, sind essenziell. Zudem müssen Marken und Unternehmen sicherstellen, dass ihre Produkte attraktiv in die Trainingssets der KI-Modelle integriert werden, um von den Agenten bevorzugt vorgeschlagen zu werden.
Veränderte Kundenansprache: Produkt-USPs wie besondere Frische, Verarbeitungsqualität, Nachaltigkeit, Gesundheit oder Exklusivität muss zukünftig auch für die KI-Agenten erkennbar sein – etwa durch gezielte Kennzeichnung, Metadaten und digitale Erlebbarkeit der Markenwerte.
Unabhängigkeit: Ein zentraler Aspekt ist die digitale Souveränität, denn die großen und erfolgreichen KI-Modelle stammen bislang überwiegend aus den USA und China. Die europäische Lebensmittelwirtschaft ist auf Infrastruktur aus dem Ausland angewiesen, was Fragen zu Datenschutz, Abhängigkeiten und technologischer Kontrolle aufwirft. Hier braucht es Investitionen in eigene, europäische Modelle und Infrastrukturen, um langfristig wettbewerbsfähig und unabhängig zu bleiben.
Zeit zum Handeln: Die Zukunft der Lebensmittelwirtschaft gestalten
Um die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen, muss die deutsche Lebensmittelwirtschaft in digitale Infrastruktur, datengetriebene Marketingstrategien und den Aufbau neuer Partnerschaften investieren. Die Nachfrage nach hochwertigen, nachhaltigen und geschmacklich überzeugenden Produkten bleibt bestehen – doch nur wer in der Lage ist die neuen mit unserer Lebenswelt mitlernenden Algorithmen zu überzeugen, wird auch die Kunden der Zukunft erreichen.